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Hintergründe

Von den Ursprüngen...

"Captain Future" ist ein modernes amerikanisches Märchen, das alle Aspekte der klassischen "Space Opera" (1) zitiert: Die Aufteilung in Gut und Böse ist klar abgegrenzt, es gibt kein "Dazwischen", keine Grauzone. Übergeschnappte Wissenschaftler, perfide Technokraten und machtlüsterne Herrscher bilden die Riege der Feinde, deren Übeltaten die Erde bzw. die Vereinigten Sonnensysteme bedrohen, und Captain Future sorgt mit seinen Freunden dafür, dass dieser Spuk ein schnelles Ende nimmt. Das Gute siegt natürlich - sonst hätten wir ja keinen Spaß an den Geschichten.

"Erfunden" wurde der Charakter "Captain Future" im Jahre 1939 von Mort Weisinger, der in seiner Funktion als Editor bei "Standard Magazines" (Thrilling Wonder Stories, Startling Stories, etc.) das CF-Magazin noch im selben Jahre auf der allerersten World SF Convention in New York City ankündigte (2); veröffentlicht wurde die Serie dann ab 1940. CF entstand somit inmitten des "Goldenen Zeitalters" der SF (zwischen 1938 und 1950), in dem in den USA viele Superhelden das Licht der Welt erblickten. Etwa zur gleichen Zeit begann der Zweite Weltkrieg (1939 -1945).

Ursprünglich waren die Erzählung um den rothaarigen Captain unter dem Titel "Mr. Future, Wizard of Science (Zauberer der Wissenschaft)" (5) geplant - mit einem Superwissenschaftler als Zentralfigur, die jedoch Züge aufweisen sollte, die sie auch trefflich für einen Charakter aus einem Alexandre-Dumas-Roman prädestiniert hätten. War es die kriegsbedingte "Inflation" der Kapitäne (Captain America, Captain Avenger, usw.), die "Mr. Future" vom Privatmann zum Besitzer eines militärischen (oder zumindest nautischen) Ranges avancieren ließ? Jedenfalls beschlossen die Herausgeber, den Namen in "Captain Future" zu ändern, und Hamilton unterzog die verlagsseitigen Vorgaben bezüglich der Protagonisten einer gründlichen Überarbeitung, weil er überzeugt war, mit der ursprünglichen Geschichtenidee nicht wirklich arbeiten zu können (7).
Dies hatte folgende Auswirkungen:

So ist Future - abweichend von der Ursprungsidee - kein durch einen Strahlenunfall seiner Mutter verursachter "Mutant" mehr (damals eine beliebte Voraussetzung, um Superheld zu werden), sondern "nur" ein ganz normaler Mensch mit ganz normalen Macken, der eben eine besondere Ausbildung erhalten hat,
Otho wandelte sich vom ursprünglich geplanten "Krieger vom Ganymed" hin zum Androiden (die Fähigkeit zum Gestaltwandeln durfte er behalten),
der Roboter Grag war nun nicht mehr ein mechanischer Doppelgänger Futures (gottseidank),
und Simon, Future's Mentor, Erzieher und Vater-Ersatz, kein "lebendes Lexikon", mehr, sondern lediglich das vom Körper isolierte Gehirn eines ehemals todkranken Wissenschaftlers.
Auch musste Joan ihr Dasein als "Stratocar-Pilotin" und Abenteurerin lassen und wurde zur Agentin der Planetenpolizei (ein durchaus vernünftiger Job).

Aus Herrn Future, dem Zauberer der Wissenschaft, dem Strahlemann mit dem gewinnenden Lächeln, den fliegenden Fäusten und einem Kuriositätenkabinett an Gefährten, wurde Captain Future, der Mensch, der mit seinen mechanisch-biologischen Freunden in einer Labor-WG auf dem Mond lebt. Müssen wir jetzt traurig sein? Ich glaube, weniger ;-)

...zum "Zeichentrick-Dilemma"

Die von Weisinger angepeilte Zielgruppe waren Teenager, also (in der damaligen Sichtweise vorwiegend männliche) Jugendliche im Alter etwa zwischen 13 und 19 Jahren (8). Im Grunde genommen kann man allerdings davon ausgehen, dass die deutsche Synchronisation die für die Serie angestrebte Altersstufe der Zuschauer nach unten eingrenzt: Während CF in Japan im Abendprogramm lief, zielt die deutsche Fassung dagegen auf ein sehr junges Publikum - die Sprache der einzelnen Charaktere trägt diesem Umstand eindeutig Rechnung. So ist z. B. alles, was auf eine Beziehung zwischen Future und Joan hindeuten könnte, die einen anderen Anschein als "bloße Freundschaft" hat, kindgerecht bis zur Unkenntlichkeit abgemildert; in Verbindung mit den starken Kürzungen geht dies teilweise auch auf Kosten des Inhalts bzw. der Fakten, die zum Verständnis der Geschichte notwendig sind. Dies erklärt auch, warum für viele die Serie als "Einstieg" in die Welt der SF diente, dann aber in Vergessenheit geriet... Die amerikanische Fassung (6), wenn auch tontechnisch streckenweise miserabel, scheint inhaltlich viel näher am Original zu sein, ist nicht in speziell "kindgerechter" Sprache abgefasst und somit auch für etwas "ältere" Kinder gedacht. Allerdings wurden hier alle Namen außer Future's selbst gnadenlos entstellt (Joan wird zu "Dr. Marga", Simon zu "Aaron Dromo" und Ezella zu "Hugo St. George", um nur ein paar zu nennen).

Obwohl mit der inzwischen stärkeren Verbreitung von Animés wie z. B. "Naruto", "One Piece" oder dem allseits bekannten "Pokémon" im deutschen Fernsehen der Bekanntheitsgrad solcher Produktionen gestiegen ist, wird "Zeichentrick" in den Köpfen vieler immer noch mit "Kinderfilm" oder "kindgerechtem Niveau" gleichgesetzt - welch Wunder, schließlich dominierte "Walt Disney" mit seinen knuddeligen Akteuren im typischen Kindchenschema (3) über Jahrzehnte dieses Format auf unseren Bildschirmen und Kinoleinwänden. Alle anderen westlichen Zeichentrickschmieden haben deshalb diesen Stil übernommen, um erfolgreich zu sein, auch der bei Disney ausgestiegene Don Bluth. Versuche, gegen diese Herrschaft der "Zwangsniedlichkeit" anzurennen bzw. diese zu ignorieren, waren auch in der Vergangenheit (fast) immer zum Scheitern verurteilt - so z. B. der frühe Herr-der-Ringe-Zeichentrickfilm, der sich im Gegensatz zur aktuellen Verfilmung wirklich an die Buchvorlage hält, oder auch "Felidae" nach der Romanvorlage von Akif Pirinçi. Änderungen in der Wahrnehmung gehen hier inzwischen vonstatten; sie sind sehr langsam, aber immerhin - es tut sich was. Der Hauptverdienst gebührt hier der stetig wachsenden Cosplay-Szene.

Das knuddelige Kindchenschema wird zwar auch in Japan z. T. bis zum Exzess getrieben, allerdings werden in diesem Mekka des Zeichentricks wiederum auch Filme hergestellt, die alles andere als "niedlich" sind: Das Spektrum reicht unter anderem von Gewaltdarstellung bis hin zu Filmen pornographischen Inhalts, oder Mischungen aus beidem. Wenn letzteres auch unter die Rubrik "Geschmackssache" fällt, so ist es in Japan jedoch auch unter Erwachsenen üblich, Mangas (Comics bzw. Bildergescichten) oder Animés (das Ganze als bewegte Bilder) zu konsumieren, dementsprechend sind auch die Themen und Inhalte der betreffenden Serien und Geschichten für Erwachsene gestaltet.

Im westlichen Teil der Welt dagegen scheinen Comics in all ihren bewegten und unbewegten Erscheinungsformen doch oft noch in das Reich der Kinder verbannt. Zumindest in Deutschland war dies zum Zeitpunkt der Entstehung der Zeichentrickserie der Fall. Und so müssen wir uns denn auch bei Captain Future mit Yiek und Oak (Original: Eek und Oog) als niedliche Sympathieträger herumplagen, denn die Serie war schließlich für den Export ins (westliche) Ausland konzipiert... Hinzu kommt Ken Scott, der "Wesley Crusher" des Captain-Future-Universums, der in der Vorlage nur in einer Geschichte ("Der Zauberer vom Mars") auftaucht, in der Serie aber des öfteren mit von der Partie ist und sich als Identifikationsfigur für diejenigen anbietet, die sich nicht in Future oder Joan Landor wiederfinden.

Womit wir beim psychologischen Teil angekommen wären: Psychologisch betrachtet, steht die Trias Joan, Future und Ken stellvertretend für den Prototyp einer "Idealfamilie" und bietet somit in ihrer Gesamtheit der Zielgruppe "Kinder" als Zuschauer eine weitere Identifikationsmöglichkeit (im Rahmen von Vater-Mutter-Kind-Spielen). Das Bilder-Sammelalbum verdeutlicht dieses Prinzip auf seinem rückwärtigen Einband (und, wenn mich nicht alles täuscht, auch in seinem Einleitungstext). Allerdings ist diese "Familie" aus den oben genannten Gründen etwas keimfrei geraten, was im Hinblick auf die angepeilten Altersstufen zur damaligen Zeit sicherlich beabsichtigt war. Der eklatante Mangel an knisternder Spannung zwischen Joan und Future, die ja offensichtlich etwas füreinander empfinden und gerne "wollten", aber nicht "konnten" oder bessergesagt nicht "durften", hat jedoch noch einen anderen Ursprung: Er zieht sich teilweise auch durch die den Geschichten zugrundeliegenden Romane. Abgesehen davon ist es eine alte Serien-Weisheit, dass Held und Heldin "sich nie kriegen dürfen (4)", damit der geneigte Leser oder Zuschauer auch weiterhin hofft, frei nach dem Motto: Ist er/sie erst vergeben, wird's uninteressant.
Schade, schade, schade.

Hoffen wir also weiterhin, dass der geplante Alvart'sche Film in Sprache und Inhalt eindeutig NICHT kindgerecht ist. Das bedeutet dann nämlich auch den Kinobesuch ohne ein drei Sitze weiter vorne in die gespannte Stille geplärrtes lautstarkes "Mama, was macht der denn da?!"...

Fußnoten / Quellen

  1. in Anlehnung an "Horse Opera", Wildwest-Epos. Space Operas sind gekennzeichnet durch "interstellare Raumfahrt, kosmische Konflikte, klischeehafte Aufteilung in galaktische Bösewichte und interstellare Polizeitruppen und vor allem gigantomanische Super Science" (aus Heyne Lexikon der SF-Literatur, 1980)
  2. nachzulesen bei Robert Weinberg (robertweinberg.net)
  3. "Kindchenschema": Ein im Verhältnis zu Rumpf und den restlichen Gliedmaßen relativ großer Kopf mit großen Kulleraugen und Stupsnase, dieses Schema weckt automatisch Beschützer- und Mutterinstinkte (genetisch programmiert)
  4. tatsächlich werden die meisten Geschichten, die von einer unerfüllten Beziehungsspannung leben, sofort langweilig, sobald diese Spannung aufgelöst wird (d. h. die Betreffenden sich endlich "kriegen")
  5. siehe Hardy Kettlitz, "Edmond Hamilton - Weltenzerstörer und Autor von Captain Future"
  6. gemeint ist die Folge "Der Herrscher von Megara" ("Special Agents and Alien Cut-Throats", VHS, Harmony Gold)
  7. siehe Larry Estep (pulpgen.com)
  8. siehe Duden Online (duden.de/rechtschreibung/Teenager)